Wer kennt die Quälerei nicht: "In die Berge fahren oder lieber auf eine Nordseeinsel?" Entscheidungen, die unser Privatleben berühren, sind vielleicht nicht so folgenschwer, wie diejenigen, bei denen es um unseren Beruf geht und damit um längerfristige Konsequenzen. Sie können jedoch auch ebenso viel Energie fressen.
Soll ich lieber diesen Job annehmen, der ein gutes Arbeitsklima bietet aber kein berufliches Weiterkommen? Hier wird es schon schwieriger. Ja, ich kann diverse kleinere Techniken anwenden, die einen ( gut begründete und damit weitestgehend ohne längere Bauchschmerzen) Weg aus der Misere aufzeigen: da gibt es die bekannte 'Plus Minus Liste', oder die 'PMI-Liste', das ist die 'Plus - Minus - Interessant' Liste. In beiden Fällen notiert man auf einem zweigeteilten Blatt die pro und die Kontra Faktoren einer Entscheidung. Die Summe auf beiden Seiten ist dann rein rechnerisch das eindeutige Ergebnis.
Wenn aber unsere Materie sehr komplex ist, fallen Entscheidungen schon viel schwerer. Es sind oft die emotional belegten Themen, die sich nicht so einfach summieren lassen und Kopfzerbrechen bereiten. Emotionen spielen eine große Rolle bei längerfristig wirksamen Lebensthemen und mit ihnen auch das, was in letzter Zeit als Intuition wieder Einzug in das Abwägen und die Entscheidungspraxis hält.
Was macht Entscheidungen manchmal so schwer?
Das ist meist ein emotionaler Faktor: Die Angst, einen Fehler zu machen. Ich könnte einen Fehler machen und dann ist das eine Katastrophe. Die will ich vermeiden. Und deshalb treffen viele Menschen dann lieber keine Entscheidung. Mit Folgen, die zunächst nicht bedacht werden.
Meist sind Perfektionisten von dieser Angst betroffen. Sie wollen die perfekte Lösung, die es jedoch nicht gibt. Das sollte schon mal zur Beruhigung dienen und die Türen für eine beherzte Entscheidung öffnen.
Und wie kommt man nun zu einer brauchbaren Entscheidung?
Interessant fand ich den Gedanken, den die Forscherin Maja Storch ( sie prägte in ihren Forschungen den Begriff "somatische Marker", wohinter sich das jedem bekannte 'Bauchgefühl' verbirgt.) präsentiert.
Wenn ich vor einem Entscheidungsdilemma stehe, sollte ich mich fragen: "Was würde ich an meinem 70. Geburtstag bereuen, nicht getan oder entschieden zu haben?"Hier sind also unsere Werte und nicht nur ein kurzfristiger Nutzen wichtig. Wer möchte sich schon an seinem 70. Geburtstag vorwerfen, zu wenig Mut gezeigt zu haben, zu einer Entscheidung, die jedoch ein Herzenswunsch war?
Auf lange Sicht lohnt es sich, den inneren Werten zu folgen. Und etwas zu wagen, was uns am Herzen liegt und vor allem: was später nicht mehr nachzuholen ist.
Entscheidungen treffen mit dem 10-10-10 Formel
Suzy Welch, Autorin des Buches "Die Kunst, gute Entscheidungen zu treffen" bringt es auf eine praktikable Formel. Will ich nicht nur kurzfristig sondern auch langfristig mit einer Entscheidung (gut) leben können, sollte ich deren Folgen nach 10 Tagen, 10 Monaten und 10 Jahren berücksichtigen.
Das macht es schon viel klarer nicht nur kurzfristigen Anreizen zu verfallen.
Dass solche Aktionen einen Moment des Nachdenkens benötigen zum Reifen eines klaren Jas oder eines Neins, versteht sich von selbst.
Reue bringt wenig
Wichtig scheint es mir auch, dem Bereuen einer schlechten Entscheidung nicht( zu viel) Raum zu geben.
Und sich schon mal beherzt vom eigenen Perfektionismus zu verabschieden, der mehr Energie kostet, als er Gewinn bringt. Vilfredo Pareto, der berühmte italienische Ökonom und Forscher hat es in seiner Formel 20:80 auf den Punkt gebracht.
Mehr zum Thema Entscheiden finden Sie in der Psychologie Heute vom Februar 2010.
Suzy Welch, Autorin des Buchs "Die
Kunst, gute Entscheidungen zu treffen"
Bildquelle: pixelio.de, rainer sturm
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